Grundeinkommen und Bürgergeld

Zwei Begriffe, die das gleiche meinen: Der Mensch wird vom Zwang befreit, für seine Existenzsicherung zu arbeiten. Stattdessen kann er ohne Existenzängste seinen Neigungen und Fähigkeiten folgen und damit der Gesellschaft ein vielfaches zurückgeben.
Eine Einführung dieses Grundeinkommens würde auch die Artikel 1, 2 und 13 in ihrer Umsetzung im Alltag bestärken.

Die Vorteile sind offensichtlich. Der Mensch kann sich mit seiner Arbeit auf seine Neigungen und Fähigkeiten konzentrieren. Dadurch steigt durch die Freude und Erfüllung bei der Arbeit, nicht nur die Lebensqualität steigt, sondern auch die Produktiviät; ein immenser Vorteil für den Arbeitgeber. Mitarbeiter, die für ihre Arbeit „brennen“ sind produktiver, haben weniger Ausfälle und sind ganz allgemein sozial verträglicher. Kein Mensch muss mehr Arbeit verrichten, die ihm nicht liegt, die ihm keine Freude und keine Erfüllung bringt, die ihn im schlimmsten Fall krank macht. Die steigenden Zahlen der (erfassten) psychischen Erkrankungen zeigen die Zahl der Betroffenen des schlimmsten Falls. Der  Mensch erhält einen zusätzlichen Freiheitsgrad, kann sich damit intensiver mit sich und seinen Vorstellungen auseinandersetzen. Das Ziel jedes Menschen, die Spitze der Maslowschen Bedürfnispyramide zu erreichen, rückt damit ein Stück näher.
Ein Arbeitnehmer ist nicht mehr gezwungen unannehmbare Arbeiten mit schlechter Bezahlung zu akzeptieren um seine Existenz zu sichern. Als eine Konsequenz folgen dann Löhne und Gehälter dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Das jetzige Wertesystem unserer Gesellschaft, nachdem z.B. verantwortungsvolle Sozialaufgaben weniger „wert“ sind als volkswirtschaftlich sich verheerend auswirkende (Fehl-) Entscheidungen von Topmanangern basiert auf einem Leistungsgedanken, der sich am Kapital orientiert, aber nicht am Leben und am Wohlergehen der Menschen. Mit der Umstellung auf das Grundeinkommen und damit auf das Prinzip Angebot und Nachfrage würde sich dieses Wertesystem zum Wohle der Menschen verändern. Selbst für Aufgaben, die nicht sehr beliebt sind oder die eigentlich keiner machen will, werden sich in diesem System, in dem jeder hinter seiner Arbeit steht und einen Sinn oder Notwendigkeit darin sieht, Menschen finden, die sie erledigen, schlicht weil sie gemacht werden müssen.
Das Beziehen eines Grundeinkommens ist mit der Würde des einzelnen verträglicher als die jetzige Praxis der Antragstellung, Prüfung und Bewilligung resp Ablehnung von sozialer Unterstützung. Die jetzigen Hartz-IV-Gesetze stehen in krassem Widerspruch zum Grundgesetz, viele Arbeitnehmer der Mittelschicht spüren das Damokles Schwert des Verlusts der Würde durch diese Gesetze.
Das Grundeinkommen könnte sogar vermeiden, dass Menschen obdachlos werden oder betteln.

Ein immenser Bürokratieabbau ist der Einführung des Grundeinkommens verbunden. Keine Sozialversicherungen mehr, keine gesetzliche Rentenversicherung, kein Kindergeld. Alle Verwaltungsaufgaben einschließlich Antrags-, Prüfungs- und Bewilligungsverfahren sowie operative Prozesse werden überflüssig. Die damit verbundenen Kosten entfallen ebenfalls, was einen teil der Kosten für das Grundeinkommen decken würde.

Die Frage nach der inneren Einstellung des Menschen stellt sich kaum, in den USA beispielsweise überhaupt nicht. Dort sieht man das Grundeinkommen als Chance den American Dream zu leben. Zweifellos wird es einen Prozentsatz an Mitbürgern geben, die sich mit dem Grundeinkommen ihr Leben einrichten und damit zufrieden sein werden. Die Zahl der Versicherungsbetrüger und Steuerhinterzieher richtig heute schon deutlich größeren Volkswirtschaftlichen Schaden an.
Die überwältigende Mehrheit jedoch will mehr, mehr Befriedigung, mehr Anerkennung, mehr Macht, mehr Geld. Diese Gier wird die Menschen nicht verlassen nur weil sie ein Grundeinkommen beziehen.

Die heute vielfach verbreitete Vorstellung, der Mensch habe nur eine „Existenzberechtigung“, wenn er sich „durch eigener Hände Arbeit“ ernähren könne geht an der Realität vorbei. Tatsächlich sind es nur wenige Jahre, in denen dies den Menschen, und im übrigen längst nicht allen, möglich ist. Als Kind und als Greis ist er auf die Hilfe anderer angewiesen. Die Krone der Schöpfung ist also von der Natur als soziales Wesen angelegt, der Starke hilft dem Schwachen. Darin ist Erfolg der Spezies Mensch, der sich die Erde untertan gemacht hat, begründet.

Die Kosten für das Grundeinkommen müssen von der Gesellschaft aufgebracht werden. In unserer hochentwickelten globalen Zivilisation ist vieles davon heute schon verwirklicht, wenn auch in anderer, meist komplexerer Form. Letztendlich muss das Grundeinkommen von allen Bürgern finanziert werden, sei es über direkte und indirekte Steuern oder über die Preise der konsumierten Produkte und Dienstleistungen. Dies stellt aber keine grundsätzliche Neuerung im Vergleich mit den bekannten Solidargemeinschaften und Generationenverträge dar, es ändert sich letztendlich nur die Form. Dabei ergeben sich aber zusätzliche Möglichkeiten für die persönliche Lebensgestaltung eines jeden, der dieses Privileg nicht schon immer genießen konnte auf Grund seiner wirtschaftlichen Situation. Dies wird unsere Gesellschaft verändern, es wird sie auf eine neue Entwicklungsstufe stellen mit höherer Lebensqualität für alle.

Wer sich gegen das Grundeinkommen ausspricht, wird auch ernstzunehmende Gründe finden. Wer sich dafür ausspricht wird unermüdlich nach Wegen zur Realisierung suchen.
Aber erst wenn die Zeit dafür reif ist, werden die Menschen diesen Entwicklungsschritt vollziehen.

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