Freiheit und Disziplin

Sartre sagt: „Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen festlegt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich macht.“

Der Mensch als Individuum wird, aus menschlicher Sicht betrachtet, zu einem zufälligen Zeitpunkt an einem zufälligen Ort geboren. Sein Gehirn hat sich zu diesem Zeitpunkt neun Monate lang entwickelt. Es ist zu diesem Zeitpunkt fähig den Körper am Leben zu erhalten sofern andere Lebewesen in seiner Umgebung diesen Körper mit Energie versorgen. Es folgt eine weitere mindestens 15 Jahre dauernde Wachstums-, hauptsächlich aber auch Entwicklungsphase. Reize der Umwelt, bisher gefiltert durch den Körper der Mutter, erreichen jetzt direkt den Körper, dessen Sensoren sie aufnehmen und an das Gehirn weiterleiten. Dort führen diese nahezu unendlich vielen Reize zu einem ständigen Wachsen, Ändern und Vergehen von Strukturen. Irgendwann entwickelt sich zu einem zufälligen Zeitpunkt ein Bewusstsein, der Mensch erkennt sein Sein, sein Ich. Das Ich beginnt sein Handeln zu bestimmen, zu kontrollieren.

Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel verstanden als die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Der Begriff benennt allgemein einen Zustand der Autonomie eines Subjekts.  (Wikipedia, 2013)

Dieser Freiheitsbegriff setzt ein bewusstes Ich voraus, ohne dieses Ich ist keine Abgrenzung zur Außenwelt möglich, ebensowenig wie das Wahrnehmen und Erkennen von Möglichkeiten und Alternativen. Dieser Freiheitsbegriff setzt auch voraus es gibt eine Kontrollmöglichkeit für das Tun und Handeln.

Zunächst, in der Prä-Ich Phase, haben die Lebewesen in der direkten Umgebung einen gewissen Einfluß auf die Reize, die das junge Gehirn strukturieren, auf die Reize selbst, deren Abfolge, Häufigkeit, Intensität, Dauer. Aber auch dieser Einfluß ist dem Zufall unterworfen, wobei Zufall hier das Eintreten eines Ereignisses meint, dessen Ursachen und Abhängigkeiten für den Menschen nicht erkennbar sind. Denn auch die Lebewesen in der direkten Umgebung des jungen Menschen wurden zu einem zufälligen Zeitpunkt an einem zufälligen Ort geboren; ihre Gehirne, denn dort vermutet man derzeit den Ort des Bewusstseins, und damit ihr Bewusstsein entwickelten sich demzufolge unter denselben Randbedingungen was die Zufälligkeit betrifft.

Dieses bewusste Ich, kurz: Bewusstsein, ist also ein zufälliges, genauso zufällig wie der Zeitpunkt und der Ort der Geburt seines Wirtskörpers, genauso zufällig wie die Abfolge und die Intensität der Reize die das Gehirn strukturierten und es bis zu seinem Tode weiter strukturieren. Dieses Bewußtsein ist ein Produkt einer zufälligen Struktur, das der Kontrolle durch den Menschen deshalb weitgehend entzogen ist.

Die Alternativen, die wahrgenommen und erkannt werden, i.a.W. die der Mensch in seinem Bewusstsein findet, und zwischen denen frei ausgewählt werden kann, werden deshalb wahrgenommen und erkannt, weil das Gehirn einen Teil der Reize anders aufgenommen und weiterverarbeitet hat als andere. Diese Verarbeitung im Gehirn beruht aber auf der – zufälligen – Entwicklungsgeschichte des Gehirns, müssen daher als ebenso zufällig betrachtet werden. Dieselben Strukturen aber entscheiden nun, oder wählen nun, was man demzufolge als zufällig betrachten muss.

Man darf durchaus so weit gehen und das Bewusstsein als Beobachter des eigenen Handelns zu erkennen.

Valter Miegas 2013-02-10

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